Ein Rückblick auf die Sanierung der kleinen Schauhäuser

Ein Rückblick auf die Sanierung der kleinen Schauhäuser

Sicher, nachhaltig und optimiert. Nach rund zweijähriger Sanierung sind die vier historischen Schauhäuser des botanischen Gartens Bern wieder geöffnet und erstrahlen in neuem Glanz. Werfen wir einen Blick hinter den Bauzaun und was dort geschah.

Ein Kommentar von Dr. Katja Rembold, Kuratorin Botanischer Garten der Universität Bern.

Im Botanischen Garten der Universität Bern (BOGA) gibt es auf gerade mal 2,5 ha über 6300 Pflanzenarten der ganzen Welt zu sehen. Diese Vielfalt auf verhältnismässig kleinem Raum verdankt er unter anderem den sieben Schaugewächshäusern, in denen Pflanzenarten aus verschiedenen Klimazonen kultiviert werden, die im Berner Klima sonst nicht gedeihen würden. Die Sanierung der vier historischen Schauhäuser im nördlichen Teil des Gartens war eine wichtige Voraussetzung, um die über 165-jährigen Schmuckstücke auch weiterhin öffentlich zugänglich belassen zu können. Unten ein Bild von 1861, auf dem die vier kleinen Schauhäuser vor dem Institutsgebäude zu sehen sind.

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Sicherheit, Leichtigkeit und Lichtdurchlässigkeit

Hintergrund für die Sanierung war eine Sicherheitslücke: die Gläser der Häuser mussten durch Sicherheitsglas ersetzt werden, das leicht genug ist, um von der denkmalgeschützten Metallkonstruktion getragen werden zu können. Gleichzeitig sollten die neuen Gläser besser isolieren und viel UV-Licht durchlassen, das von den Pflanzen benötigt wird. Da es keine Ausweichflächen mit den passenden Klimabedingungen gab und einige Pflanzen zu gross waren, um versetzt zu werden, mussten die Sanierungsarbeiten bei fast vollständiger Bepflanzung stattfinden – eine grosse Herausforderungen für alle Beteiligten!

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Mittelmeerhaus ohne Glasscheiben und Metallträger im April 2025.

Genutzte Gelegenheiten

Neben Herausforderungen gab es auch zahlreiche Chancen, die ergriffen wurden. So wurden im Rahmen der Sanierungen zahlreiche Instandsetzungen vorgenommen, z. B. an Metallkonstruktionen, Sandsteinfundamenten und Elektroleitungen, Belüftung und Beleuchtung wurden verbessert und vieles mehr. Im Orchideenhaus bot sich zudem die einmalige Chance, grössere Epiphytenstämme einzubauen. Epiphyten sind Aufsitzerpflanzen, die z. B. auf Ästen von Bäumen wachsen, um näher am Sonnenlicht zu sein. Bisher konnten nur kleine Epiphytenäste verbaut werden, die durch die Tür des Orchideenhauses passten, dann jedoch recht schnell verrottet sind. Durch einen gut ausgearbeiteten Zeitplan bestand nun die Möglichkeit, zu dem Zeitpunkt, als sowohl Gläser als auch Metallgerüst abgebaut waren, erstmals ganze Epiphytenstämme einzubauen, die nun nach und nach mit epiphytischen Pflanzen bewachsen.

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Einbau der neuen Epiphytenstämme im Orchideenhaus mit Hilfe des Kollegen vom Botanischen Garten der Universität Basel.

Erfolg auf ganzer Linie

Dank grossartiger Koordination, unkomplizierter Absprachen und gegenseitiger Rücksichtnahme konnten die vier Häuser vom Sommer 2024 bis Frühjahr 2026 in zwei Etappen erfolgreich saniert werden. Nun erstrahlen Orchideenhaus, Mittelmeerhaus, Gondwanahaus und Steppenhaus in neuem Glanz. Was genau in den Häusern zu sehen ist, wird hier nicht verraten, am besten vorbeikommen und mit eigenen Augen entdecken (die Häuser sind täglich von 8–17h geöffnet).

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Frisch sanierte Schauhäuser im Frühjahr 2026: im Vordergrund das Steppenhaus, dahinter Gondwanahaus und Mittelmeerhaus.

Wer am Glashaus baut, soll nicht mit Steinen werfen…

Wer am Glashaus baut, soll nicht mit Steinen werfen…

…sondern mit guten Ideen und Hagelkörnern. Die 1861 erbauten kleinen Schauhäuser im Botanischen Garten Bern müssen dringend repariert und saniert werden. Diese Aufgabe ist sowohl anspruchsvoll als auch inspirierend.

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Die vier historischen Glashäuser wurden vom Kantonsbaumeister Friedrich Salvisberg errichtet. Sie widerspiegeln den Stil der Stahl-Glas-Konstruktionen des 19. Jahrhunderts.

Klimaschutz hoch zwei

Gondwana-, Mittelmeer-, Orchideen- und Steppenhaus: Die Namen der schmucken Glashäuser verleiten zum Träumen. Aber aufgepasst: Wenn sie nicht repariert werden, ist bald ausgeträumt, da die filigrane Bausubstanz bedroht ist. Ein weiterer wichtiger Grund für die Sanierungsarbeiten ist die Notwendigkeit, auch im Winter ein mildes Klima in den Gewächshäusern zu gewährleisten. Nun werden zwar die Häuser sehr wohl beheizt. Aber im ähnlichen Ausmass leider auch die nächste Umgebung, wofür die vorhandenen Gläser verantwortlich sind.

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Gefunden! Das Eier legende Wollmilchglas

Für die Sanierung der Glashäuser benötigten wir ein Glas, das den aktuellen Anforderungen an Wärme- und Kälteschutz entspricht, ausreichend Licht für die Pflanzen durchlässt, leicht genug ist, um von den filigranen Profilen getragen zu werden, und gleichzeitig hagelsicher und bruchsicher ist, um Verletzungsrisiken zu minimieren.

Zum Glück dürfen wir auf einen Fassadeningenieur zählen, dessen Ideenreichtum und Begeisterung unendlich sind. So ist es gelungen, für diese empfindlichen historischen Objekte ein spezielles Glas zu entwickeln, das allen Anforderungen gerecht wird. Die Bilder aus dem Prüfverfahren lassen erahnen, was das Glas alles aushalten musste (z. B. den Beschuss mit der Hagelkanone oder das Testen der Bruchsicherheit unter frei fallendem Gewicht).

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Die Oase lebt weiter

Aber eigentlich geht es uns ja nicht in erster Linie ums Glas. Sondern darum, dass wir für eine bezaubernde Flora bauen, die den wintermüden Homo sapiens jedes Jahr schon im Februar einen ermutigenden Vorgeschmack auf den Frühling ermöglicht.

PS: Die ausgebauten Gläser haben über die Bauteil-Plattformen «Salza» und «useagain» im Berner Oberland ein neues Zuhause gefunden

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Anna Suter

Eine unerwartete, kuriose Begegnung im Modetempel

Eine unerwartete, kuriose Begegnung im Modetempel

Manche Häuser bergen Geheimnisse, so auch der Peterhof an der Zürcher Bahnhofstrasse. Wohin führte wohl ursprünglich die Treppe vom Erdgeschoss des dort ansässigen Modegeschäftes in die heutige «contemporary men’s world»?

Der Peterhof an der Bahnhofstrasse 30 in Zürich wurde 1913 von den Architekten Gebr. Pfister erbaut. Das Gebäude beeindruckt nicht nur von aussen, sondern auch im Inneren mit seiner herausragenden Baukunst. Die ursprüngliche Disposition ist sehr präzise: Die Nutzungen gruppieren sich um den zentralen Lichthof, welcher als grosszügige Halle zur opulenten Haupttreppe führt. Das Foto zeigt das Modehaus an der Seite der Petersgasse etwa um 1955.

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Privater Catwalk im Untergeschoss

Eine Spezialität des exklusiven Modehauses war früher die Vorführung der Kleider am «lebenden Modell». Die Kundinnen wählten ein Kostüm aus, das dann von einem der Hausmodels auf einer kleinen Bühne im Raum unter der zentralen Halle, der eigens dafür geschaffen worden war, vorgeführt wurde. Was die Kundinnen dann sahen, darf man sich so vorstellen:

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Die Frau hinter der Model-Rolle

Was die Kundinnen nicht wussten: Das Model auf dem Bild stammt aus dem tiefsten Emmental. Die Frau ist 23 Jahre alt und Mutter einer zweijährigen Tochter. Ihr Mann, ein Architekturstudent an der ETH, und sie werden von ihren Eltern knappgehalten. Damit bringen die beiden gut situierten Familien ihre Missbilligung der ungebührlich frühen Elternschaft zum Ausdruck. So kommt es, dass sich die junge Frau als Hausmodell von Grieder etwas dazuverdient und das Studentenleben dadurch etwas lustiger wird.

Und plötzlich verweben sich zwei Geschichten

Im Haus, dessen Geschichte ich dokumentieren darf, finde ich Spuren meiner Familie. Das Bild zeigt meine Mutter Agnes im Jahr 1957 auf der Bühne des Vorführraumes im Untergeschoss des Modehauses. Meine Eltern und meine Schwester ziehen dann 1962 nach Bern, wo ich 1964 geboren wurde. Hier stehe ich also an einem kalten Februarmorgen in diesem geheimnisvollen Raum, reise 67 Jahre in die Vergangenheit und begegne einem Teil meiner eigenen Geschichte. Es ist ein kurioser Moment.

Anna Suter

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«Hotelumbau» Schloss Schadau: Welche Rolle spielt die Möblierung?

«Hotelumbau» Schloss Schadau: Welche Rolle spielt die Möblierung?

Ursprünglich wurde das Schloss Schadau als Sommerresidenz gebaut und genutzt. Heute beherbergt es ein Restaurant und neu auch ein Hotel. Der Möblierung kommt dabei eine interessante Aufgabe zu.

Von der historischen Möblierung im Schloss waren nur noch einzelne Stücke vorhanden. Wir haben uns entschieden, das Haus mit zeitgenössischen Möbeln auszustatten. Die neue Möblierung soll in den historischen Räumen weder verloren noch störend wirken. Deshalb haben wir darauf geachtet, dass sie den ursprünglich vorhandenen Typologien entspricht. Dies zeigt sich etwa bei der Form und der Materialisierung der Sitzmöbel: Ein textiles Volumen wird von Massivholz eingerahmt und getragen. Umzusetzen war auch die Differenzierung von privaten und öffentlichen Räumen sowie die hierarchische Unterscheidung der Erd- und Obergeschosse: Dies wurde mit unterschiedlichen Farbigkeiten und Glanzgraden bei den Textilien erreicht.

Der Logik folgen und Spielraum schaffen.

Der Bezug zu den historischen Möbeln ist nicht akribisch festgelegt. Vielmehr beruht das Neue auf der grundsätzlichen Logik des Historischen und hält so den nötigen Spielraum für die aktuelle Nutzung offen. So ist es wichtig, dass die Möblierung flexibel einsetzbar und gleichzeitig robust genug ist, um dem intensiven ganzjährigen Betrieb standzuhalten. Auch in gestalterischer Hinsicht sind die neuen Möbel «robust»: Sie heissen die Gäste willkommen, ohne dabei aufdringlich zu sein, und sie überlassen dem prunkvollen Innenausbau genügend Aufmerksamkeit.

Ohne Fakes harmonisch eingebunden.

Wenn wir kein passendes, bestehendes Produkt gefunden haben, ist unser Ideenlabor ins Spiel gekommen, und die Schreiner haben unsere Erfindungen umgesetzt: z. B. die Bar an der Réception, Nachttische und Badezimmermöbel. Oder die Mise-en-Places für das Restaurant: Sie sind als Holzvolumen mit Rahmen und Füllung gestaltet – aufgebockt auf Füssen und abgedeckt mit einer Kunststeinplatte. Dadurch entsprechen sie wie die restliche Möblierung der historischen Logik und fügen sich ohne weiteres zwischen Ledertapeten und Holzdekor ein, ohne ein falsches Alter vortäuschen zu müssen.

Mit ihrem zeitgemässen Design ermöglicht die neue Möblierung einen gepflegten und effizienten Hotelbetrieb. Und sie vermittelt mit ihrer Sprache spielerisch zwischen Damals und Heute.

Max Riedi

Konzept: Suter+Partner AG Architekten, unterstützt durch MEER AG Bern
Entwürfe: Suter + Partner AG Architekten

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